So entsteht das Aus- und Weiterbildungszentrum in Mechernich

Nach der erfolgreichen planungsrechtlichen Absicherung durch die Stadt Mechernich, der Freigabe des Geländes und der vertraglichen Beauftragung des Generalplaners befindet sich das Großprojekt in der kontinuierlichen baulichen Umsetzung. Aufgrund der enormen technologischen Komplexität und der Gesamtanlage ist die finale Fertigstellung des gesamten Areals für Mitte bis Ende 2029 geplant.

Infrastruktur und Weiterbildung: Das Fundament der Energiewende

Die Umstellung auf einen komplett emissionsfreien ÖPNV erfordert weit mehr als nur den Austausch von Fahrzeugen. Damit eine klimafreundliche Busflotte jeden Tag verlässlich und pünktlich rollen kann, braucht es im Hintergrund zwei entscheidende Säulen: eine leistungsstarke, krisensichere Tank- und Ladeinfrastruktur sowie qualifizierte Fachkräfte zur Bedienung und Wartung dieser Systeme. Bei der RVK gehen Energie und Wissen Hand in Hand – für das Gelingen der regionalen Verkehrswende.

Auf einen Blick: Wie sieht die Flottentransformation aus?

  • Bedarfsgerechte Netze:

    Der Aufbau betriebseigener Tankstellenstrukturen sichert die zuverlässige Kraftstoffversorgung unserer Busflotte.

  • Grüne Energie:

    An unseren neuen Standorten erzeugen wir den benötigten Wasserstoff über eigene Elektrolyseure direkt und klimaneutral vor Ort.

  • Wissenstransfer:

    Systematische Weiterbildung unseres Fachpersonals sowie externer Partner gezielt für die modernen Zukunftstechnologien.

Teil 1: Unser Wasserstoff-Tankstellennetz

Der Betrieb einer großen Flotte von Brennstoffzellenbussen stellt spezifische Anforderungen an die Betankungsinfrastruktur. Diese ist bei herkömmlichen Tankstellen nicht gegeben. Um maximale Unabhängigkeit und absolute Zuverlässigkeit im Linienbetrieb zu garantieren, hat die RVK frühzeitig mit dem Aufbau eines eigenen, leistungsstarken Tankstellennetzes begonnen.

Ein Wrightbus posiert frontal bis seitlich, im Hintergund warten aufgereiht weitere Wrightbusse (Wasserstofffahrzeuge)

Standort Meckenheim (Der Kernstandort)

Ein zentraler Knotenpunkt unserer H₂-Versorgung befindet sich im Rhein-Sieg-Kreis. Während die ursprüngliche Anlage an der RVK-Niederlassung Meckenheim dauerhaft außer Betrieb genommen wurde, erfolgte im Unternehmerpark Meckenheim-Kottenforst der Neubau einer modernen Ablösungsanlage. Das Gelände befindet sich im Eigentum der RVK, der Betrieb wird durch den Pächter Air Products sichergestellt. In der aktuellen Phase 1 ist die Betankung von Bussen und Lkw bei 350 bar sichergestellt (Kapazität: mindestens 750 kg Wasserstoff pro Tag). Die bevorstehende Phase 2 sieht die Erweiterung auf eine öffentliche 700-bar-Betankung sowie die Ergänzung durch eine öffentliche E-Ladestation für Pkw mit bis zu 150 kW Spitzenleistung vor.

H3: Standort Wermelskirchen (Der Nord-Hub)

Diese werkseigene Station sichert bereits seit dem Jahr 2020 die Kraftstoffversorgung der emissionsfreien Busflotte im Norden des RVK-Verkehrsgebietes (Rheinisch-Bergischer Kreis). Durch die direkte Anbindung an den dortigen Betriebsstandort werden kostenintensive Leerfahrten vermieden und logistische Abläufe optimiert.

Solaris Gelenkomnibus posiert seitlich vor den Wasserstoffspeichertürmen der Wermelskirchener Niederlassung. Der Gom hat eine Folierung aus blauen Wasserstoffblasen und grünen Elementen

Standort Mechernich & Ausblick (In Planung & Bau)

Im Kreis Euskirchen wird ab voraussichtlich Ende 2026 ein weiterer strategischer Meilenstein realisiert. Die dortige Tankstelle wird mit einer eigenen 2-Megawatt-PEM-Elektrolyseanlage ausgestattet. Diese erzeugt künftig täglich rund 850 kg grünen, RFNBO-konformen Wasserstoff gemäß der europäischen RED II-Richtlinie direkt vor Ort. Bei einer Speicherkapazität von ca. 1.500 kg dauert ein Bus-Betankungsvorgang (350 bar) mit vorgekühltem Wasserstoff nur rund 10 Minuten. Die Anlage sieht zudem eine Wärmeauskopplung zur lokalen Beheizung vor und bietet eine 700-bar-Betankung für Pkw und Lkw, welche öffentlich genutzt werden kann.

Strategischer Ansatz der RVK

Innovationen wie die Wasserstofftankstelle und alternative Antriebe sind keine Standardtechnik. Um den Nahverkehr dauerhaft ökologisch und klimaneutral zu gestalten, braucht es hochspezialisiertes Fachpersonal. Da diese Kompetenzen über das klassische Berufsbild im ÖPNV hinausgehen und somit auf dem Arbeitsmarkt kaum zu finden sind, bilden wir unsere Leute einfach selbst aus.

Teil 2: Das Aus- und Weiterbildungszentrum Mechernich

Das Aus- und Weiterbildungszentrum für digitale und klimaneutrale Mobilität, kurz AWM, wird zukünftig die neue Wirkungsstätte der RVK-Akademie sein. Als offizielles Strukturwandel-Projekt im Rheinischen Revier konzipiert, leistet die Einrichtung durch die Etablierung klimaneutraler ÖPNV-Angebote einen wichtigen Beitrag zur Attraktivierung des Lebens- und Arbeitsstandortes.

Im AWM wird ein moderner ÖPNV sicht- und lernbar, indem theoretisch ausgerichtete Lernbereiche mit praktischen Handlungsbezügen kombiniert werden. Das Bildungsangebot richtet sich an das Fahrpersonal, Quereinsteiger in den Fahrbetrieb, die Disposition, die Werkstatttechnik sowie an administrative Bereiche. Die Schulungsmaßnahmen stehen neben den Mitarbeitenden der RVK auch Beschäftigten von Kooperationspartnern, externen Verkehrsbetrieben, Logistikunternehmen und Blaulichtorganisationen (wie Rettungsdiensten oder der Bundeswehr) offen. 

Die 4 Bausteine des AWM

Das Gesamtkonzept des AWM gliedert sich in vier inhaltliche und funktionale Kernbereiche:

  • 1. Baustein: Innovatives Tankstellenareal

    Ein jederzeit öffentlich zugängliches Tankstellenareal zur Bereitstellung alternativer Betriebsstoffe (Wasserstoff, Bio-Methan und Batterieelektrik). Hierzu gehört auch die integrierte 2-MW-PEM-Elektrolyseanlage zur lokalen H₂-Erzeugung.

  • 2. Baustein: Kompetenzzentrum Nahverkehr

    Die technologische Herzkammer mit Lern- und Forschungswerkstatt, Wagenhalle, Service- und Wartungsbereich sowie Verwaltung zur Erprobung klimaneutraler Prozesse.

  • 3. Baustein: Fahrtrainingsfläche

    Ein ca. 38.000 m² großes Testgelände für praktische Fahr- und Sicherheitstrainings, die perspektivisch auch für die Erprobung von Systemen zum autonomen Fahren im ÖPNV genutzt wird.

  • 4. Baustein: Aus- und Weiterbildungszentrum

    Die eigentliche AWM-Akademie in einem nachhaltig konzipierten, energetisch weitgehend selbstversorgenden Schulungsgebäude, das neben modernen Unterrichtsräumen auch einen Showroom und Übernachtungsmöglichkeiten bereithält.

Schon gewusst?

Das hocheffiziente Energiekonzept aus Mechernich nutzen wir auch an anderer Stelle: Auch auf unserem zukünftigen Grünen Mobilhof Bergisch Gladbach wird ab vsl. Ende 2026 eine baugleiche Elektrolyseanlage zur autarken Wasserstoffversorgung mit lokaler Wärmekopplung realisiert.

Förderer des Aus- und Weiterbildungszentrums