Verkehrswende & Energiewende im Nahverkehr: Wie gelingt klimafreundliche Mobilität?
Klimafreundliche Mobilität ist einer der entscheidenden Hebel für das Erreichen unserer Klimaziele. Während in vielen Sektoren der Wandel bereits sichtbar ist, befindet sich der Straßenverkehr mitten in seiner bisher größten Transformation. Ein attraktiver, moderner und emissionsfreier öffentlicher Nahverkehr ist dabei der Schlüssel, um die gesellschaftliche Mobilitätswende im Alltag der Menschen erfolgreich zu machen.
Doch wie lässt sich ein weitverzweigter Regionalverkehr mit hunderten Fahrzeugen, dutzenden Linien und Millionen Fahrgästen flächendeckend und verlässlich dekarbonisieren – und das betrieblich stabil sowie wirtschaftlich tragfähig?
Dafür lässt sich nicht einfach ein einzelner Schalter umlegen. Echter Klimaschutz im Nahverkehr gelingt nur mit einem konsequenten, ganzheitlichen Ansatz, der saubere Fahrzeugtechnologien, eine krisenfeste Tank- und Ladeinfrastruktur, ökologische Betriebsstandorte und qualifiziertes Fachpersonal nahtlos ineinandergreifen lässt.
Genau das zeigt das Projekt Null Emission der Regionalverkehr Köln GmbH. Seit über einem Jahrzehnt beweisen wir Tag für Tag, wie aus Klimazielen eine fahrbare Realität wird: für die Menschen im Kölner Umland, im Rheinisch-Bergischen Kreis, im Rhein-Sieg-Kreis und im Kreis Euskirchen.
Das Projekt Null Emission auf einen Blick
Fest verankert: Klimaschutz als Teil unserer Unternehmensgrundsätze
Das Projekt Null Emission ist das Ergebnis einer strategischen Entscheidung, die wir bereits vor über einem Jahrzehnt getroffen haben: Klimaschutz strukturell zu verankern. Und zwar nicht als Aufgabe einer Abteilung, sondern als Leitprinzip des gesamten Unternehmens.
Bereits seit 2011 erproben wir Brennstoffzellen-Technologie im regulären Linienbetrieb und entwickeln seitdem unseren Fuhrpark, die Tankinfrastruktur und unsere Betriebsstandorte konsequent weiter. Als regionaler Verkehrsträger ist das für uns der einzig logische Schritt, um den öffentlichen Nahverkehr zukunftsfest und umweltgerecht für die Umwelt und die Menschen vor Ort zu gestalten.
Klimaschutz mit System: Unsere Grundlagen
- ISO-zertifiziert: Umweltmanagement nach ISO 14001 und Energiemanagement nach ISO 50001 durch externe Prüfungen nachgewiesen.
- Eigenanspruch: Eine verbindliche Selbstverpflichtung, die über gesetzliche Mindestanforderungen hinausgeht.
- Ganzheitlich gedacht: Klimaschutz durchzieht die gesamte Wertschöpfungskette von der Fahrzeugbeschaffung über das Gebäudemanagement bis zur Weiterbildung.
- Regionale Verantwortung: Als Arbeitgeber für rund 960 Mitarbeitende an 6 Niederlassungen bewegen wir jährlich rund 24 Millionen Fahrgäste im Kölner Umland.
Vier Handlungsfelder – ein Ziel
Klimaneutraler Nahverkehr entsteht nicht durch eine Maßnahme allein. Das Projekt Null Emission ist daher von Anfang an als Gesamtsystem gedacht: Fahrzeuge, die emissionsfrei fahren. Infrastruktur, die sie zuverlässig versorgt. Betriebsstandorte, die ökologisch gebaut und betrieben werden. Und Fachkräfte, die das alles im täglichen Betrieb beherrschen.
| Handlungsfeld | Kernthema | Status heute |
|---|---|---|
| Klimafreundliche Antriebe | Wasserstoff, Bio-Erdgas, Batterie | 160+ Fahrzeuge im Einsatz |
| Multimodalität im Alltag | Bikesharing, Bike Hotels | 380+ Stationen, 50.000 Ausleihen 2025 |
| Infrastruktur & Weiterbildung | H₂-Tankstellen, AWM Mechernich | 3 Standorte, Neubau bis 2029 |
| Nachhaltige Betriebsstandorte | Grüner Mobilhof, Kreislaufwirtschaft | Rohbau läuft, Betrieb ab 2027 |
Klimafreundliche Antriebe: Wie sieht die Zukunft auf der Straße aus?
Der schrittweise Abschied vom klassischen Diesel ist das sichtbarste Kapitel der Verkehrswende. Von den insgesamt rund 421 eigenen Linienbussen der RVK fahren bereits über 240 Fahrzeuge mit alternativen Antrieben, wie Bio-Erdgas oder Batterieelektrisch. Das klare Ziel ist, die gesamte Flotte bis 2030 vollständig dieselbrennstofffrei zu betreiben.
Der Schlüssel: ein technologieoffener Ansatz. Weil die Strecken im gesamten RVK-Verkehrsgebiet völlig unterschiedliche Anforderungen an Topografie, Taktdichte und Linienführung stellen – von hochfrequentierten Stadtlinien bis hin zu weitläufigen, hügeligen Überlandrouten –, setzen wir auf einen maßgeschneiderten Mix aus drei alternativen Antriebsarten.

Die drei alternativen Antriebssäulen
- Merkmale: Hohe Reichweiten von deutlich über 300 Kilometern, kurze Betankungszeiten unter 10 Minuten und ein geringeres Eigengewicht im Vergleich zu reinen Batteriebussen, was maximale Fahrgastkapazitäten ermöglicht.
- Aktueller Bestand (Juli 2026): 129 Standard-Linienbusse und 29 Gelenkbusse (plus 5 weitere Fahrzeuge in der Zulaufphase).
- Standorte: Stationiert in Hürth, Wermelskirchen, Meckenheim und Bergisch Gladbach. Eingesetzt werden die Busse unter anderem auch in Brühl, Wesseling und Bornheim.
Der umfassende Umbau der Busflotte wird durch ein starkes Partnernetzwerk getragen. Die Finanzierung erfolgt mit Unterstützung der Europäischen Union (über die Förderprojekte JIVE und JIVE2), des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr für 108 Wasserstoffbusse sowie des Landes Nordrhein-Westfalen über das ÖPNVG NRW für rund 80 weitere Fahrzeuge.
Multimodalität im Alltag: Die intelligente Vernetzung der Verkehrsmittel
Klimaschutz im Nahverkehr endet nicht an der Bushaltestelle. Die Mobilitätswende gelingt nur, wenn der Umstieg vom Auto im Alltag wirklich funktioniert, also auch auf der berühmten „letzten Meile“ von der Haltestelle bis zur Haustür. Genau hier setzt die RVK mit einem ausgebauten Netz aus Bikesharing-Systemen und sicherer Fahrradinfrastruktur an.
Das Prinzip: Jede Sharing-Station liegt an einem zentralen Knotenpunkt mit direktem Anschluss an Bus und Bahn. Die Buchung, Freischaltung und Rückgabe laufen rund um die Uhr flexibel per Smartphone-App. Und wer ein VRS-Abo hat, profitiert bei jeder Fahrt automatisch von Sonderkonditionen.
Unsere drei Bikesharing-Systeme im Überblick
| System | Region | Stationen | Fahrzeuge | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| Welo | Rhein-Sieg-Kreis & Bonn | 228 | 1.710 Bikes + 332 Pedelecs | Freefloating-Zone in Bonn |
| Bergisches e-Bike | Rheinisch-Bergischer Kreis | 48 | 150 Pedelecs + 20 Bikes | Optimiert für hügeliges Profil |
| Eifel e-Bike | Kreis Euskirchen | 50 | 140 Pedelecs | Neuausrichtung in Abstimmung |
In allen drei Systemen wurden im Jahr 2025 zusammen über 62.000 Ausleihen verzeichnet. Betrieben werden die Angebote über das bewährte Hintergrundsystem unseres Partners nextbike.
Vorteile für VRS-Abonnierende
- Preisvorteilebei jeder Fahrt: Im Bergischen e-Bike und Eifel e-Bike sind die ersten 30 Minuten jeder Fahrt kostenfrei, im Welo-System greifen stark vergünstigte Spezialtarife für Pedelecs und Lastenräder.
- 50 % Dauerrabattbei den „Bike Hotels“: Im Auftrag des Rheinisch-Bergischen Kreises betreibt die RVK an 15 zentralen Knotenpunkten insgesamt 181 digitale Fahrradgaragen. Mit einem VRS-Abo spart man bei der Buchung einer Verleihbox die Hälfte der regulären Mietgebühr.
Infrastruktur & Weiterbildung: Das Fundament der Energiewende
Eine emissionsfreie Busflotte ist nur so gut wie die Infrastruktur, die sie täglich versorgt. Weil Wasserstoff- und Elektroantriebe gänzlich andere Anforderungen stellen als ein klassischer Dieseltank, haben wir frühzeitig in ein eigenes Tankstellennetz investiert, welches wir stets weiterdenken.
| Standort | Status | Kapazität | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Meckenheim (Rhein-Sieg-Kreis) | In Betrieb | mind. 750 kg H₂/Tag | Phase 2: 700-bar-Betankung + E-Laden für Pkw geplant |
| Wermelskirchen (RBK) | In Betrieb seit 2020 | Werkseigen | Nord-Hub, vermeidet Leerfahrten |
| Mechernich (Kreis Euskirchen) | Ab Ende 2026 | 850 kg H₂/Tag | Eigene 2-MW-PEM-Elektrolyse, RFNBO-konformer Grün-H₂ |
Was den Standort Mechernich besonders macht: Statt Wasserstoff anzuliefern, erzeugen wir ihn künftig direkt vor Ort und vollständig klimaneutral selbst. Eine integrierte 2-Megawatt-PEM-Elektrolyseanlage produziert täglich rund 850 kg grünen Wasserstoff gemäß der europäischen RED-II-Richtlinie. Ein Speichervolumen von circa 1.500 kg sowie schnelle Betankungszeiten von unter 10 Minuten pro Bus garantieren dabei einen verlässlichen und störungsfreien Linienbetrieb.

Das Aus- und Weiterbildungszentrum Mechernich (AWM)
Parallel zur Tankstelle entsteht am gleichen Standort das AWM als Bildungs- und Technologiezentrum für die Mobilität von morgen. Als offizielles Strukturwandel-Projekt im Rheinischen Revier richtet es sich an:
- RVK-eigenes Fahr-, Dispositions- und Werkstattpersonal
- Quereinsteiger in den Fahrbetrieb
- Mitarbeitende externer Verkehrsbetriebe und Logistikunternehmen
- Blaulichtorganisationen wie Rettungsdienste und Bundeswehr
Das AWM gliedert sich in vier Bausteine: ein öffentlich zugängliches Tankstellenareal mit integrierter Elektrolyse, ein Kompetenzzentrum mit Lern- und Forschungswerkstatt, eine rund 38.000 m² große Fahrtrainingsfläche (perspektivisch auch für autonomes Fahren) sowie ein nachhaltiges Schulungsgebäude mit Showroom und Übernachtungsmöglichkeiten. Fertigstellung des gesamten Areals: Mitte bis Ende 2029.
Nachhaltige Betriebsstandorte: Ökologische Architektur im ÖPNV
Echter Klimaschutz hört nicht am Auspuff auf. Auch die Orte, an denen Busse gewartet, gereinigt und abgestellt werden, müssen heute neu gedacht werden. Mit dem Grünen Mobilhof Bergisch Gladbach in Moitzfeld entsteht bis Mitte 2027 eine technologische Blaupause für die Dekarbonisierung logistischer Knotenpunkte. Das Areal dient als direktes Vorbild für nachhaltiges Bauen im ÖPNV weit über die Grenzen Nordrhein-Westfalens hinaus.
Was den Grünen Mobilhof besonders macht
Der neue Betriebshof ist gezielt für die Auslegung von bis zu 50 emissionsfreien Bussen mit Wasserstoff- und Batterieantrieb konzipiert. Er ist aber weit mehr als ein Depot und fungiert als weitgehend autarkes Ökosystem:
- 2-MW-PEM-Elektrolyseur → erzeugt täglich rund 850 kg grünen Wasserstoff vor Ort. Die Abwärme beheizt die Gebäude und hält Zufahrten frostfrei.
- 190 kW Photovoltaikauf allen Dächern → deckt den gesamten Eigenstrombedarf des Hofes. Überschüssige Energie wird zum Laden der E-Busse genutzt.
- Durchgängige Dachbegrünung → Fördert die Biodiversität, dient als natürlicher Wärmeschutz und kühlt das Mikroklima durch Verdunstung.
- Geschlossener Wasserkreislauf → Das Waschwasser der Buswaschanlage wird biologisch aufbereitet. Dadurch wird nur ein minimaler Anteil an Frischwasser benötigt.
Das Projekt ist ein offiziell qualifiziertes Strukturprojekt der REGIONALE 2025, dem Strukturförderprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen, und unterstützt aktiv die strategischen Ziele des Zukunftsnetz Mobilität NRW.

Schon gewusst?
Das Herzstück von Mechernich und Bergisch Gladbach ist technisch identisch: An beiden Standorten kommt eine baugleiche 2-MW-PEM-Elektrolyseanlage zum Einsatz, die täglich rund 850 kg grünen Wasserstoff erzeugt und deren Abwärme direkt zur Gebäudeheizung genutzt wird. Was in Bergisch Gladbach ab Ende 2026 als erster Standort in Betrieb geht, wird in Mechernich parallel realisiert. Zwei Knotenpunkte, ein zukunftsfähiges Energiekonzept!
FAQ – Häufige Fragen zum Projekt Null Emission
Das Projekt Null Emission ist das zentrale Nachhaltigkeitsprogramm der RVK. Ziel ist die vollständige Transformation von Fuhrpark, Infrastruktur, Betriebsstandorten und Weiterbildung hin zu einem dieselbrennstofffreien und langfristig klimaneutralen Betrieb.
