Verkehrswende & Energiewende im Nahverkehr: Wie gelingt die Antriebswende im Nahverkehr?

Die Umstellung des Verkehrs auf alternative Antriebe ist ein Baustein zur Verringerung des Einsatzes fossiler Energieträger im Verkehrssektor. Der Straßenverkehr befindet sich dabei in einem umfassenden technologischen Wandel. Ein attraktiver und moderner öffentlicher Nahverkehr sowie der Einsatz alternativer Antriebstechnologien spielen dabei eine wichtige Rolle.

Doch wie lässt sich ein weitverzweigter Regionalverkehr mit hunderten Fahrzeugen, dutzenden Linien und Millionen Fahrgästen schrittweise auf alternative Antriebe umstellen – und das betrieblich stabil sowie wirtschaftlich tragfähig?

Dafür lässt sich nicht einfach ein einzelner Schalter umlegen. Die Transformation des Nahverkehrs erfordert einen ganzheitlichen Ansatz, der alternative Fahrzeugtechnologien, eine verlässliche Tank- und Ladeinfrastruktur, moderne Betriebsstandorte und qualifiziertes Fachpersonal miteinander verbindet.

Das „Projekt Null Emission“ bezeichnet das langfristige Transformationsprogramm der RVK zur schrittweisen Verringerung des Einsatzes fossiler Energieträger. Die Bezeichnung beschreibt die Zielsetzung des Projekts und keine Aussage über einen bereits vollständig emissionsfreien Gesamtbetrieb der RVK.

Das Projekt Null Emission auf einen Blick

  • Über 240 Busse mit alternativen Antrieben:

    täglich im Einsatz (ca. 160 Wasserstoff-, 13 Batterieelektrische- und über 80 Bio-Erdgas-Busse)

  • Nr. 1 in Europa:

    Größte Wasserstoff-Busflotte in Deutschland und ganz Europa

  • Ziel bis 2030:

    Schrittweise Umstellung auf eine komplett dieselbrennstofffreie Busflotte

  • 24 Mio. Fahrgäste:

    Jährlich im RVK-Verkehrsgebiet

  • 6 Niederlassungen:

    Mitten in der Transformation

Fest verankert: Klimaschutz als Teil unserer Unternehmensgrundsätze

Das Projekt Null Emission ist das Ergebnis einer strategischen Entscheidung, die wir bereits vor über einem Jahrzehnt getroffen haben: Klimaschutz strukturell zu verankern. Und zwar nicht als Aufgabe einer Abteilung, sondern als Leitprinzip des gesamten Unternehmens.

Bereits seit 2011 erproben wir Brennstoffzellen-Technologie im regulären Linienbetrieb und entwickeln seitdem unseren Fuhrpark, die Tankinfrastruktur und unsere Betriebsstandorte konsequent weiter. Als regionaler Verkehrsträger ist das für uns der einzig logische Schritt, um den öffentlichen Nahverkehr für die Umwelt und die Menschen vor Ort zu gestalten.

Klimaschutz mit System: Unsere Grundlagen

  • ISO-zertifiziert: Umweltmanagement nach ISO 14001 und Energiemanagement nach ISO 50001 durch externe Prüfungen nachgewiesen.
  • Eigenanspruch: Eine verbindliche Selbstverpflichtung der RVK
  • Ganzheitlich gedacht: Das Thema Klimaschutz durchzieht die gesamte Wertschöpfungskette von der Fahrzeugbeschaffung über das Gebäudemanagement bis zur Weiterbildung.
  • Regionale Verantwortung: Als Arbeitgeber für rund 960 Mitarbeitende an 6 Niederlassungen bewegen wir jährlich rund 24 Millionen Fahrgäste im Kölner Umland.

Vier Handlungsfelder – ein Ziel

Der Weg zum dieselbrennstofffreien Nahverkehr entsteht nicht durch eine Maßnahme allein. Das Projekt Null Emission ist daher von Anfang an als Gesamtsystem gedacht: Fahrzeuge, die emissionsfrei fahren. Infrastruktur, die sie zuverlässig versorgt. Betriebsstandorte mit eigener Energieerzeugung und Ressourcenkreisläufen. Und Fachkräfte, die das alles im täglichen Betrieb beherrschen.

HandlungsfeldKernthemaStatus heute
Alternative AntriebeWasserstoff, Bio-Erdgas, Batterie160+ Fahrzeuge im Einsatz
Multimodalität im AlltagBikesharing, Bike Hotels380+ Stationen, 50.000 Ausleihen 2025
Infrastruktur & WeiterbildungH₂-Tankstellen, AWM Mechernich3 Standorte, Neubau bis 2029
Betriebsstandorte der ZukunftGrüner Mobilhof, KreislaufwirtschaftRohbau läuft, Betrieb ab 2027

Alternative Antriebe: Wie sieht die Zukunft auf der Straße aus?

Der schrittweise Abschied vom klassischen Diesel ist das sichtbarste Kapitel der Verkehrswende. Von den insgesamt rund 421 eigenen Linienbussen der RVK fahren bereits über 240 Fahrzeuge mit alternativen Antrieben, wie Bio-Erdgas oder Batterieelektrisch. Das klare Ziel ist, die gesamte Flotte bis 2030 vollständig dieselbrennstofffrei zu betreiben. 

Der Schlüssel: ein technologieoffener Ansatz. Weil die Strecken im gesamten RVK-Verkehrsgebiet völlig unterschiedliche Anforderungen an Topografie, Taktdichte und Linienführung stellen – von hochfrequentierten Stadtlinien bis hin zu weitläufigen, hügeligen Überlandrouten –, setzen wir auf einen maßgeschneiderten Mix aus drei alternativen Antriebsarten.

Abbildung zweier RVK-Busse nebeneinander von vorne.

Die drei alternativen Antriebssäulen

  • Merkmale: Hohe Reichweiten von deutlich über 300 Kilometern, kurze Betankungszeiten unter 10 Minuten und ein geringeres Eigengewicht im Vergleich zu reinen Batteriebussen, was maximale Fahrgastkapazitäten ermöglicht.
  • Aktueller Bestand (Juli 2026): 129 Standard-Linienbusse und 29 Gelenkbusse (plus 5 weitere Fahrzeuge in der Zulaufphase).
  • Standorte: Stationiert in Hürth, Wermelskirchen, Meckenheim und Bergisch Gladbach. Eingesetzt werden die Busse unter anderem auch in Brühl, Wesseling und Bornheim.

Der umfassende Umbau der Busflotte wird durch ein starkes Partnernetzwerk getragen. Die Finanzierung erfolgt mit Unterstützung der Europäischen Union (über die Förderprojekte JIVE und JIVE2), des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr für 108 Wasserstoffbusse sowie des Landes Nordrhein-Westfalen über das ÖPNVG NRW für rund 80 weitere Fahrzeuge.

Multimodalität im Alltag: Die intelligente Vernetzung der Verkehrsmittel

Klimaschutz im Nahverkehr endet nicht an der Bushaltestelle. Auch “die letzte Meile” zwischen Bus und Haustür muss mitgedcaht werden. Genau hier setzt die RVK mit einem ausgebauten Netz aus Bikesharing-Systemen und sicherer Fahrradinfrastruktur an.

Das Prinzip: Jede Sharing-Station liegt an einem zentralen Knotenpunkt mit direktem Anschluss an Bus und Bahn. Die Buchung, Freischaltung und Rückgabe laufen rund um die Uhr flexibel per Smartphone-App. Und wer ein VRS-Abo hat, profitiert bei jeder Fahrt automatisch von Sonderkonditionen.

Unsere drei Bikesharing-Systeme im Überblick

SystemRegionStationenFahrzeugeBesonderheit
WeloRhein-Sieg-Kreis & Bonn2281.710 Bikes + 332 PedelecsFreefloating-Zone in Bonn
Bergisches e-BikeRheinisch-Bergischer Kreis48150 Pedelecs + 20 BikesOptimiert für hügeliges Profil
Eifel e-BikeKreis Euskirchen50140 PedelecsNeuausrichtung in Abstimmung


In allen drei Systemen wurden im Jahr 2025 zusammen über 62.000 Ausleihen verzeichnet. Betrieben werden die Angebote über das bewährte Hintergrundsystem unseres Partners nextbike.

Vorteile für VRS-Abonnierende

  • Preisvorteilebei jeder Fahrt: Im Bergischen e-Bike und Eifel e-Bike sind die ersten 30 Minuten jeder Fahrt kostenfrei, im Welo-System greifen stark vergünstigte Spezialtarife für Pedelecs und Lastenräder.
  • 50 % Dauerrabattbei den „Bike Hotels“: Im Auftrag des Rheinisch-Bergischen Kreises betreibt die RVK an 15 zentralen Knotenpunkten insgesamt 181 digitale Fahrradgaragen. Mit einem VRS-Abo spart man bei der Buchung einer Verleihbox die Hälfte der regulären Mietgebühr.

Infrastruktur & Weiterbildung: Das Fundament der Energiewende

Eine Busflotte mit alternativen Antrieben ist nur so gut wie die Infrastruktur, die sie täglich versorgt. Weil Wasserstoff- und Elektroantriebe gänzlich andere Anforderungen stellen als ein klassischer Dieseltank, haben wir frühzeitig in ein eigenes Tankstellennetz investiert, welches wir stets weiterdenken.

StandortStatusKapazitätBesonderheit
Meckenheim (Rhein-Sieg-Kreis)In Betriebmind. 750 kg H₂/TagPhase 2: 700-bar-Betankung + E-Laden für Pkw geplant
Wermelskirchen (RBK)In Betrieb seit 2020WerkseigenNord-Hub, vermeidet Leerfahrten
Mechernich (Kreis Euskirchen)Ab Ende 2026850 kg H₂/TagEigene 2-MW-PEM-Elektrolyse, RFNBO-konformer Grün-H₂


Was den Standort Mechernich besonders macht: Statt Wasserstoff anzuliefern, erzeugen wir ihn künftig direkt vor Ort. Eine integrierte 2-Megawatt-PEM-Elektrolyseanlage produziert täglich rund 850 kg grünen Wasserstoff gemäß der europäischen RED-II-Richtlinie. Ein Speichervolumen von circa 1.500 kg sowie schnelle Betankungszeiten von unter 10 Minuten pro Bus garantieren dabei einen verlässlichen und störungsfreien Linienbetrieb.

Visualisierung des Aus- und Weiterbildungszentrums Mechernich (AWM)

Das Aus- und Weiterbildungszentrum Mechernich (AWM)

Parallel zur Tankstelle entsteht am gleichen Standort das AWM als Bildungs- und Technologiezentrum für die Mobilität von morgen. Als offizielles Strukturwandel-Projekt im Rheinischen Revier richtet es sich an:

  • RVK-eigenes Fahr-, Dispositions- und Werkstattpersonal
  • Quereinsteiger in den Fahrbetrieb
  • Mitarbeitende externer Verkehrsbetriebe und Logistikunternehmen
  • Blaulichtorganisationen wie Rettungsdienste und Bundeswehr

Das AWM gliedert sich in vier Bausteine: ein öffentlich zugängliches Tankstellenareal mit integrierter Elektrolyse, ein Kompetenzzentrum mit Lern- und Forschungswerkstatt, eine rund 38.000 m² große Fahrtrainingsfläche (perspektivisch auch für autonomes Fahren) sowie ein energetisch weitgehend selbstversorgendes Schulungsgebäude mit Showroom und Übernachtungsmöglichkeiten. Fertigstellung des gesamten Areals: Mitte bis Ende 2029.

Betriebsstandorte der Zukunft: Neue Infrastruktur für den ÖPNV

Die Transformation endet nicht bei den Fahrzeugen. Auch die Orte, an denen Busse gewartet, gereinigt und abgestellt werden, müssen heute neu gedacht werden. Mit dem “Grünen Mobilhof” Bergisch Gladbach in Moitzfeld entsteht bis Mitte 2027 eine technologische Blaupause für die Dekarbonisierung logistischer Knotenpunkte. Der Standort kombiniert Wasserstoffproduktion, Photovoltaik, Dachbegrünung und einen geschlossenen Wasserkreislauf.

Was den Grünen Mobilhof besonders macht

Der neue Betriebshof ist gezielt für die Auslegung von bis zu 50 Bussen mit Wasserstoff- und Batterieantrieb konzipiert. Er ist aber weit mehr als ein Depot und fungiert als weitgehend eigenversorgter Betriebsstandort, soweit technisch und praktisch umsetzbar:

  • 2-MW-PEM-Elektrolyseur → erzeugt täglich rund 850 kg  Wasserstoff vor Ort. Die Abwärme beheizt die Gebäude und hält Zufahrten frostfrei.
  • 190 kW Photovoltaikauf allen Dächern → deckt den gesamten Eigenstrombedarf des Hofes. Überschüssige Energie wird zum Laden der E-Busse genutzt.
  • Durchgängige Dachbegrünung → Die Dachbegrünung schafft zusätzliche begrünte Flächen und dient als natürlicher Wärmeschutz.
  • Geschlossener Wasserkreislauf → Das Waschwasser der Buswaschanlage wird biologisch aufbereitet. Dadurch wird nur ein minimaler Anteil an Frischwasser benötigt.

Das Projekt ist ein offiziell qualifiziertes Strukturprojekt der REGIONALE 2025, dem Strukturförderprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen, und unterstützt aktiv die strategischen Ziele des Zukunftsnetz Mobilität NRW.

Schon gewusst?

Das Herzstück von Mechernich und Bergisch Gladbach ist technisch identisch: An beiden Standorten kommt eine baugleiche 2-MW-PEM-Elektrolyseanlage zum Einsatz, die täglich rund 850 kg RFNBO-konformen Wasserstoff erzeugt und deren Abwärme direkt zur Gebäudeheizung genutzt wird. Was in Bergisch Gladbach ab Ende 2026 als erster Standort in Betrieb geht, wird in Mechernich parallel realisiert. Zwei Knotenpunkte, ein zukunftsfähiges Energiekonzept!

FAQ – Häufige Fragen zum Projekt Null Emission

Das Projekt Null Emission ist das zentrale Transformationsprogramm der RVK. Ziel ist die vollständige Transformation von Fuhrpark, Infrastruktur, Betriebsstandorten und Weiterbildung hin zu einem langfristig dieselbrennstofffreien Betrieb - sofern dies technisch, wirtschaftlich und betrieblich möglich ist.